15.10.2016

Die Liebe zum Meer -Strandgedanken

Das Meer tobt schon seit Stunden in meinen Ohren. Die Möwen kreischen und ab und zu kommt mir ein Spaziergänger mit seinem Hund entgegen. Aber ansonsten bin ich alleine.
Ich stapfe schon eine Ewigkeit durch den Sand. Immer mit dem Blick zum Boden und mit den Gedanken weit weg.
Bibbernd ziehe ich meinen Schal noch etwas weiter ins Gesicht. Plötzlich ist es ganz schön kalt geworden. Der Wind scheint aufgefrischt zu haben und bahnt sich so langsam einen Weg durch die Nähte meiner Jacke. Jetzt wo ich darüber nachdenke, merke ich, dass meine Hände schon länger kalt gewesen sein müssen. Zumindest spricht das taube Gefühl in ihnen dafür. Schnell stecke ich sie wieder in meine Jackentaschen.
Ich laufe schon eine gefühlte Ewigkeit am Strand entlang. Meist mit dem Blick auf den Boden und ab und zu ein kurzer Blick nach rechts auf das Meer.
Vorhin, als ich losgelaufen bin, schien es klar und blau und nur ein paar Sonnenstrahlen glitzerten auf der Meeresoberfläche. Es schien, als ob tief unten irgendwer wohnen würde, der es sich zusammen mit der Sonne zum Ziel gemacht hat, das ganze Meer zum strahlen zu bringen.
Wenn ich jetzt, nach endlosen Metern mit Blick auf den Boden, meinen Blick hebe, türmen sich die Wellen auf und weiße Kronen tanzen über die See. Ich beobachte eine Welle, wie sie sich ganz weit hinten am Horizont auftürmt, immer größer wird und schließlich tosend an den Strand schlägt.
Schon erstaunlich wie schnell sich das Meer verändert. Kaum lässt man es ein paar Momente aus den Augen, scheint es sich komplett gewandelt zu haben.
Irgendwie komisch, dass Menschen das Meer trotzdem so faszinierend finden. Eigentlich ist es doch genau das Gegenteil von der, von uns so geliebten Verlässlichkeit. Eher unzuverlässig, nicht beständig und alles andere als freundlich.
Ich zucke kurz zusammen und schrecke aus meinen Überlegungen auf. Ein Vogel, ich muss grinsen. Wie sehr er mich gerade erschrocken hat, obwohl ich schon die ganze Zeit von Vögeln und ihrem Geschrei umringt bin. Doch mit diesem, so direkt vor mir, habe ich nicht gerechnet. Der Vogel scheint sich auch erschrocken zu haben als ich so plötzlich zusammen gezuckt bin. Ich beobachte, wie er sich schnell in die Lüfte schwingt und den Wind nutzt um sich entspannt ein paar Meter weiter zum Wasser tragen zu lassen. Ihn scheint die raue See nicht zu stören.
Doch mich stört sie langsam merke ich fröstelnd. Nicht die See an sich, aber der Wetterumschwung, der die tobenden Wellen und den kalten Wind mitgebracht hat. Mittllerweile kann man ihn auch deutlich am Himmel erkennen. Die Wolken türmen sich wie ein Gebirge hinter dem Deich vor mir auf. Ich sollte wirklich zurück gehen. Denn ich weiß nicht, wie lange die Millionen Liter an Wasser, die dort oben hängen, auch noch da bleiben.
Ich drehe mich um und beginne zurück zu gehen. Wieder Schritt für Schritt durch den Sand. Doch dieses mal nicht mit dem Blick auf den Boden, sondern aufs Meer. Ich bestaune immer noch das Meer. Gerade in solchen Momenten, wo man mitbekommt, wie schnell sich das Meer verändern kann. Mir fällt ein Spruch einer  Künstlerin ein, den ich vor kurzem im Internet gelesen habe. 
"Ich kann dem Wind meinen Willen nicht aufzwingen. Wenn sich der Wind dreht, dann dreht sich meine Welt mit ihm."  -Mila Teshaieva
Das sind die Worte an die ich mich erinnern kann. Irgendwie erinnern sie mich nicht nur an den Wind, sondern auch an das Meer. Wir sind so klein und machtlos, gegenüber der See. Auch wenn der Mensch versucht das Wasser immer wieder zu zügeln, müssen wir uns letztendlich dem Willen des Meeres beugen. Irgendwie ein komisches Gefühl, aber irgendwie auch ziemlich entspannend. Einfach akzeptieren, dass wir uns nach dem Willen des Meeres richten müssen und nicht es nach uns.

Einfach seine Welt mit drehen lassen.




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Kommentare

  1. Wunderschöner Text und ebenso wunderschöne Fotos. Ich habe deinen Blog gerade erst entdeckt und werde mich gleich mal umsehen, ich mag, wie du schreibst :)
    Liebst, Lea.
    https://leaandthediamonds.blogspot.de

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  2. Die Fotos sind wunderschön und der Text ist ebenso klasse!

    Liebe Grüße
    Sabine von www.lilyfields.de

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  3. Die Bilder sind wirklich wunderschön, vor allem das erste – toll!

    Liebe Grüße,
    Elisa iisabelsophie.blogspot.de

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